Über den Künstler
Jeremias D. Meißner
Spuren. Geschichten. Zu den Arbeiten von Jeremias D. Meißner
Was haben Sand, Lehm, Wachs und Feuer miteinander gemeinsam? Nichts auf den ersten Blick. Diese konträren Materialien und das Element gehen aber eine Liason ein, wenn ein junger Künstler mit ihnen spielt, um sie in seinen Arbeiten zu einer Einheit werden zu lassen. Feuer, also Wärme, spielt die Rolle des verbindenden Elementes. Was fasziniert den Künstler an diesen Ur-Stoffen? Woher kommt seine Vorliebe für sie? Welche stoffliche Wirkung will er ihnen geben?
Wenn das Interesse an Geologie, an Fossilien oder an Höhlenmalerei sozusagen eine Initialzündung bewirkt, und der Katalysator ein Künstler ist, den der Rückblick in das Werden unserer Erde fesselt, entstehen Werke, die in sich sowohl Haptik als auch die Tiefe des Erzählens vereinen. Archäologische Grabungen führten Jeremias Meißner buchstäblich in die Tiefe - zu Erd- und Gesteinsformationen, zu sedimentgewordener Geschichte. Und diese Geschichte weiterzuerzählen, sie mit eigenen Vorstellungen zu füllen, sie als Speicher zu begreifen, ist sein Anliegen.
In Jeremias Meißners Arbeiten werden Sand, Lehm, Wachs (Paraffin) zu ungegenständlichen Bildern zusammengeführt. Aber seine RELIEFBILDER speichern nicht nur ihre eigene Stofflichkeit, sondern wandeln sich während des schichtweisen Auftrages auf den Bildträger zu Imaginationen. Nun beginnen sie Ihr Eigenleben. Nicht, dass dieses Eigenleben vom Künstler gelenkt würde! Es entstehen Verschränkungen, Aktionen, Assoziationen, die alle zuerst vom Künstler selbst, dann vom Betrachter entdeckt werden wollen. Hier äußert sich eine Affinität zur Art brut und den Größen des französischen und deutschen Informel, durch deren Werke Jeremias Meißner nachhaltig beeinflusst wurde. Auf deren radikale Nicht-Sprache des Ungegenständlichen, ihre teils lyrische Koloristik, ihre "unglatten" sowohl im malerischen Sinn wie auch in Bezug auf ihre tatsächlich plastisch strukturierten Bildoberfächen, weisen seine Arbeiten hin, lassen Gemeinsamkeiten erkennen - aber auch eine ganz eigenständige Präsenz. Der Künstler hat "seine" Materialien entdeckt und verhilft ihnen zur Bildsprache. Zugleich gibt er dem Betrachter die Möglichkeit eigene Imaginationen zu beflügeln...
Ähnlich bei den Sandbildern, deren Entstehung aus einer Australienreise 2002/03 resultiert. Meißner fixierte vor Ort in einem speziell entwickelten Verfahren Millionen Jahre alte geologische Schichten auf Bildträger, es entstand: Earth Art! Hierbei ging es nicht um die exakte wissenschaftliche Dokumentation, sondern darum, dass in den nunmehr festgehaltenen und in ein Format begrenzten Schichten und farblichen Verläufen wiederum "Motive" hervortreten, in die sich der Betrachter versenken kann.
Obgleich zum zweidimensionalen Medium geworden, vermittelt Earth Art (vergleichbar Vexierbildern) Weite wie Tiefe und zugleich die - erwünschte - Geschichtlichkeit durch das Material selbst. Im Grunde sind diese Bilder objets trouvÈs, Fundstücke aus der Natur.
Ab 2004 widmet sich Jeremias D. Meißner der ENKAUSTIK, der Malerei mit erhitzten Farben. Er greift hier eine seit der griechischen Antike bekannte Technik auf, die über die Jahrhunderte sporadisch immer wieder angewendet wurde. Vermutlich am bekanntesten sind uns heute farbige Mumienbildnisse aus den ersten vier Jahrhunderten nach Christus. In jüngster Vergangenheit arbeitete beispielsweise Jasper Johns, einer der Vertreter der amerikanischen Pop-Art, in Enkaustik.
Jeremias D. Meißners Arbeiten würden nicht mit der ihnen eigenen Leichtigkeit daherkommen, würde der Künstler nicht in lasierender Manier mit dem im Wechsel mit der Farbe aufgetragenen flüssigen Wachs arbeiten, das Transparenz und Anmut bringt: Je mehr Schichten Wachs, desto vielfältiger die Wirkung der Farben aus der Tiefe heraus. Allen Arbeiten ist deshalb ein Leuchten, eine gewisse Heiterkeit von innen heraus gemeinsam.
Die Kombination von tradierter Technik - wie bei den Enkaustik-Arbeiten - und ambitionierter junger Kunst geht bei Jeremias D. Meißner eine kongeniale Verbindung ein; Grundlage dafür sind neben der Freude am Experimentieren mit Materialien, die von den Komponenten des üblichen Tafelbildes abweichen, Spontanität und sicherlich auch ein guter Schuss Verspieltheit.
Dr. Karin Pudritzki, Kunsthistorikerin
Letztes Update 05.02.2008 | Copyright© Jeremias Meißner 2006 |

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